Weinmacher aus Rottenburg am Neckar

Schlagwort: Im Rhythmus der Jahreszeiten

  • Kellerarbeit

    Kellerarbeit

    Zeitraum: Oktober bis Frühjahr

    Für uns Wengerter geht es nach der Stärkung direkt zur Einmaischung bei unserem Kellermeister: Die Trauben werden entrappt und gepresst, der Saft im Anschluss an die Zeit der Einmaischung abgezogen. In Stahlfässern darf der Wein dann die Gärung vollziehen. Nach der Vergärung erfolgt eine erste Laboranalyse, die uns Aufschluss über unsere Weinqualitäten gibt.

    Während dieser Zeit ist vor allem unser Kellermeister gefragt: Wöchentlich und schlaflos wacht er über den Wein und beprobt ihn, während die restlichen Wengerter sich ein wenig ausruhen dürfen. Nur ein Schelm könnte dabei denken, dass der Inhalt in den Fässern in dieser Zeit weniger würde! Im Frühjahr gibt es dann noch eine weitere Laboranalyse, bevor es an die Abfüllung geht.

  • Großes Lese-Fest

    Großes Lese-Fest

    Zeitraum: Zirka Mitte September bis Anfang Oktober

    Im Herbst – rund 100 Tage dauert es, ab der Blüte, bis zur Reife der Trauben – lesen wir unsere Trauben ab dem frühen Morgen mit einer großen Anzahl an freiwilligen Helfern, darunter den Familien und Freunden, den Weinberg hinauf.

    Immer eine Gaudi – die Lese im Jahr 2024 wurde mit rund 25 freiwilligen Helfern – Freunden und Familien – durchgeführt.

    Blaue Trauben zur Reife – Trauben mit Schäden werden für ein sauberes Lesegut spätestens zur Ernte entfernt.

    So sorgen wir für ein höchst sauberes Lesegut. Hätten wir einen Lesetisch, wir würden unsere Trauben vielleicht noch mit der Pinzette sortieren! Der Lohn für alle lockt im Weinberg ganz oben: Ein reichhaltiger Mittagstisch mit unseren Weinen und einem eindrucksvollen Blick auf das Städtchen Rottenburg am Neckar.

  • Genügend Fruchtzucker?

    Genügend Fruchtzucker?

    Zeitraum: August

    Im Laufe des August kommt dann die große Aufregung: Haben die Rebstöcke und ihre Blätter genug Licht abbekommen und den Trauben genügend Öchsle mit auf den Weg gegeben? Ein Blick ins Refraktometer verrät uns mehr darüber: 80 bis 95 Öchsle sind jedenfalls ein sehr guter Durchschnitt in unserer Gegend und sorgen für einen anständigen Fruchtzucker im Wein!

    Bleibt nur abzuwarten, ob ein Hagel die Ernte zerstört…

  • Luftige Erziehung

    Luftige Erziehung

    Luftige Laubwände trocknen schneller ab und verringern die Gefahr schädlicher Krankheiten.

    Zeitraum: Mitte Mai bis August

    Im Sommer folgt die Arbeit an luftigen Laubwänden, vor allem, um den Befall durch falschen und echten Mehltau Einhalt zu gebieten, aber auch um der kunstvollen Formung unserer Rebstöcke in den Spalieren zuliebe. Acht bis zwölf Blätter pro Trieb sind das Ziel. Gegebenenfalls entfernen wir auch die Geiztriebe in den Blattachseln zugunsten einer luftigen Erziehung.

    Zuletzt entlauben wir Stück für Stück die sogenannten Traubenzonen, einerseits, damit die Trauben trocken bleiben, andererseits, damit sie noch einmal genügend Licht bis zur Lese abbekommen. Vollständig aber erst, wenn sie größer sind, ihre Haut dick genug ist und sie keinen „Sonnenbrand“ mehr abbekommen.

    Damit unsere Rebstöcke nicht zu sehr in die Höhe schießen, gipfeln wir sie in zwei Runden – zunächst 20, dann 30 Zentimeter – über dem höchsten Draht. Ein spätes Gipfeln zu Ende Juni, Anfang Juli fördert kompakte und damit gesündere Trauben; ebenso eine leichte Verrieselung.

  • Ausbrecharbeiten zur Blüte

    Ausbrecharbeiten zur Blüte

    Die jungen Triebe treiben samt Gescheinen aus.

    Zeitraum: Mitte Mai bis Ende Juni

    Zwischen Mai und Juni, wenn die Temperaturen stabil auf um die 20 Grad gestiegen sind, findet der Austrieb und die Blütezeit statt und das Wunder nimmt seinen Lauf: Binnen Wochen schießen die Triebe samt Blattwerk nach oben, an denen sich erst kleine, grüne und unscheinbare Gescheine entwickeln, die uns zur Lese im Herbst mit reichhaltigen Trauben versorgen werden.

    Gerade in dieser Zeit kümmern wir uns intensiv um die Stöcke und sind mit Ausbrecharbeiten beschäftigt: Rund zweimal die Woche entfernen wir Wassergeschoße aus dem unterem Stamm, Doppel- oder Mehrfachtriebe, zu eng stehende Triebe (Optimum: 10 Zentimeter Abstand) sowie Triebe, die keine Gescheine tragen. Die Arbeit ist diffizil, denn gerade in diesem Stadium neigen die jungen Triebe schnell zum brechen.

    Im Kopfbereich der Rebe reduzieren wir den Auswachs und konzentrieren und auf drei bis vier potente, mindestens Bleistift dicke Triebe, die entweder den Zapfen oder dem Kopf direkt als spontane Geschosse entspringen: Sie werden unsere Trauben im kommenden Jahr ausbringen.

    Ungefähr zu Anfang Juni beginnt dann die Blüte unserer Triebe. Zwei Trauben pro Trieb sind optimal.

  • Nachpflanzungen und Putzeten

    Nachpflanzungen und Putzeten

    Die jungen Rebstöcke sind mit einer Wachsschicht überzogen, damit sie vor dem Austrieb vor der Kälte geschützt sind.

    Zeitraum: Ende April

    Zum Frühjahr erfolgen zu Ende April, wenn nötig, Nachpflanzungen, um mit jungen, frischen Rebstöcken den Ertrag für die Zukunft zu sichern – allerdings frühestens in drei Jahren. Gerade im ersten Jahr brauchen die jungen Reben Unterstützung in den Trockenphasen und müssen zielgenau an ihren kleinen Wurzelballen gewässert werden – wenn auch eine karge Erziehung sinnvoll erscheint.

    Die Nachpflanzung von Rebstöcken gehört zu den größeren Arbeitseinsätzen im Jahr.

    Zur Versorgung der Pflanzen haben wir wartungsintensive Bewässerungssysteme installiert, die im Frühjahr auf Leckagen getestet und gerichtet werden.

    Das Putzen der Steintreppen und der Mauern begleitet die Zeit des erwachenden Weinberg. Auch werden von nun an die Terrassen bis zum Herbst im rund vierwöchigen Abstand gemäht: Damit haben wir nicht nur Platz zum Arbeiten, sondern sorgen auch für trockene Terrassen und für eine gesunde Umgebung aus reich blühenden Böden für unsere Rebstöcke.

    Zusätzlich kümmern wir uns um unsere Spalier-Anlage: Wir ersetzen Drähte und spannen sie nach, damit sie unsere Trauben auch in diesem Jahr tragen können. Größere Arbeiten in dieser Hinsicht verlagern wir in den Herbst.

    Bleibt nur noch abzuwarten, ob ein Spätfrost unsere Pflanzen angreift. Erst nach den Eisheiligen Mitte Mai können wir aufatmen: Dann entfernen wir auch unsere Frostruten.

  • Biegen und Binden

    Biegen und Binden

    Zeitraum: März bis April

    Ist der Rückschnitt vollzogen, biegen und binden wir unsere Strecker mit Bindegarn bis Mitte Mai auf die Drähte: In unserem Fall greifen wir zum gesamten Werkzeugkasten aus ein– oder zweirouten Flach-, Halb- und Rundbögen – ganz so, wie es am besten passt, denn vor allem unsere alten Rebstöcke sind mit dem Alter eigenwillig geworden. Jetzt sind wir auf den kommenden Austrieb bestens vorbereitet!

  • Rückschnitt

    Rückschnitt

    Blick in den winterlichen Weinberg zum Rückschnitt.

    Zeitraum: Januar bis Februar

    Im Winter, vor allem im Januar und Februar, schneiden wir die Rebstöcke zurück. Natürlich achten wir dabei auf die richtige Mischung aus Quantität und Qualität in Bezug auf eine erste Ertragsregulierung: Führen wir eine oder zwei Fruchtrouten (Strecker), und wie viele Augen belassen wir an ihnen – acht bis zehn oder zehn bis zwölf? Das sind Fragen, die wir an jedem Rebstock individuell aufs Neue beantworten.

    Natürlich dürfen auch die zwei- bis dreiäugigen Zapfen aus dem einjährigen Holz nicht vergessen werden, die uns die Strecker für das nächste Jahr liefern – das heißt: Wir gewinnen unseren Ertrag für das nächste Jahr aus dem Holz des vergangenen Jahres! Dabei sollten die Zapfen stets unter oder neben unseren Fruchtrouten stehen, damit unser Rebstock über die Jahre nicht in die Höhe schießt. Und zu guter Letzt belassen wir eine Fruchtroute als Frostroute, die uns im Falle eines Spätfrost noch den Ertrag retten kann.